

VDF Trainer: Herr Kirstein, Sie trainieren die Golf
Nationalmannschaft. Welche Turniere stehen in nächster Zeit an und
welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Team?
Kirstein: Nach der europäischen Saison mit der Einzel
EM der Damen und der Herrn hatten wir Saisonfinale mit den Deutschen Meisterschaften
in Düsseldorf. Danach laufen alle Planungen für das nächste
Jahr und das im Winter durchgeführte Training auf die Mannschafts
WM 2008 in Australien zu.
VDF Trainer: Wie halten Sie die Spieler fit? Gibt es
spezielle Fitnessübungen, wie beispielsweise Pilates für Golfer?
Kirstein: Grundsätzlich ist der Golfsport heutzutage
viel athletischer geprägt als noch vor einigen Jahren. Spezifische
golfspielerische Fähigkeiten kommen durch einen entsprechend trainierten
Spieler nachweislich besser zur Anwendung. Blöcke mit notwendigem
Muskelaufbau liegen natürlich in den Trainingsphasen im Winter. Während
der Saison werden nur wenige Pausen gemacht, in denen neben dem üblichen
Grundprogramm nochmals Reize gesetzt werden können.
VDF Trainer: Gibt es spezielle Muskelgruppen, die beim
Golf besonders beansprucht werden? Wenn, ja, welche Rolle spielt das Krafttraining
im Trainingsplan eines Golfspielers?
Kirstein: Der Golfschwung ist eine einseitige Schlag-
oder Schwungbewegung, da kommt es häufig zu Irritationen des Bewegungsgefühls
durch Dysbalancen der Muskulatur oder Überbelastungen im Wirkungsbereich
der Sehnen und Bänder. Schulter, Rücken - Strecker und LWS Bereich
sind meist betroffen. Häufig unterschätzt wird der Aufbau der
Beinmuskulatur. Dort ist viel Kraft notwendig um die auftretenden Kräfte
des manchmal 300 Meter lan gen Golfschlages ausbalanciert halten zu können.
Gezieltes Krafttraining, das individuell gestaltet wird, hilft, Dysbalancen
zu vermeiden. Der langfristig angelegte und begleitete Aufbau der Athleten
steht im Mittelpunkt unserer Programme.
VDF Trainer: Empfehlen Sie Ihren Schützlingen eine
spezielle Ernährung vor wichtigen Turnieren? Wenn ja, welche?
Kirstein: Grundsätzlich eine ausgewogene Ernährung.
Keine besonderen Diäten; Kohlehydrate, Ballaststoffe, Obst und Gemüse,
Fette und Eiweiße. In intensiven Trainingsphasen oder während
einer längeren Turnierphase z.B. im Sommer substituieren wir wenn
nötig. Die Leistungsrelevanz von Ausdauer und Kraft spielt im Golfen
eine wichtige, aber nicht die einzige Rolle. Daher leisten wir uns eine
gesunde, ausgewogene Ernährung. Wichtig ist die vernünftige
Ernährung mit angemessenem Trinkverhalten während der manchmal
bis 8stündigen Wettkämpfe.
VDF Trainer: Tiger Woods sagte mal, dass ein Golfspiel
100 Prozent mental entschieden wird. Sehen Sie das ähnlich?
Kirstein: Das setzt voraus, dass alle vom gleichen oder
sehr ähnlichen körperlichem und technischem Niveau ins Turnier
starten. Da beginnt Tiger's 100% Vorbereitung schon lange vorher in technischer,
athletischer und organisatorischer Bereichen. Wer weiß schon, dass
Tiger Woods - wenn er eine Startzeit um 8 Uhr morgens hat - um 5 Uhr einen
Morgenlauf macht, nach einem Imbiss ein 45minütiges Workout, danach
frühstückt. Und wenn er auf den Golfplatz kommt, so gut vorbereitet
ist wie wenige.
VDF Trainer: Als Nationaltrainer sind Sie viel unterwegs.
Bleibt da noch Zeit für weitere Hobbys?
Kirstein: Zu allererst kommt natürlich die Familie.
Spezifische Hobbys haben allerdings neben vielen Interessen keinen echten
Platz - aber wenn Zeit übrig bleibt, bin ich gerne draußen:
joggen, Rad fahren, Golf spielen - am liebsten mit meiner Frau!
Das Interview führte Timo Stehn
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